Ein Geständnis einer etwas anderen Art

Ich muss dir was sagen! Ich bin Schuld an seinem Tod!

Der 17.08.2006 ist wohl einer der schwärzesten Tage meines Lebens. Der Schmerz liegt mir nach fast 10! Jahren immer noch sehr auf der Seele. Es gibt Nächte wo ich Stundenlang weinen muss. Deshalb, weil ich denke das es daran liegt das KEINER weiß was an diesem Tag wirklich geschah werde ich nun darüber sprechen in der Hoffnung meine Seele zu befreien. Nein ich will Ihn nicht vergessen ich will endlich in Frieden damit sein.
Für manche mag dies vielleicht albern oder unverständlich sein weil es sich „nur“ um ein Tier handelt aber Willy war nicht „nur“ ein Tier er war mein Freund.
Manche die diese Geschichte in einer anderen Variante kennen werden wahrscheinlich sehr enttäuscht und traurig über meine „Lüge“ sein. Aber ich wollte und konnte es einfach nicht, sagen, dass er durch meinen Fehler sterben musste. Ich habe mich so schlecht gefühlt, solche Vorwürfe gemacht und tue es auch immer noch.




Am 17.8 es war ein heißer Tag und ca. 15 Uhr. Ich hatte mein Pferd an diesem Tag noch nicht bewegt und wollte gerne eine Runde mit dem Sulky ausfahren. Mein Ex- Freund hatte darauf eigentlich keine Lust und fragte mich ob ich nicht lieber reiten möchte. Leider setzte ich meinen Dickkopf durch und holte mein Pferd. Er stand im Dorf auf dem übernächsten Grundstück. Der Sulky stand bei uns auf dem Hof. Ich machte ihn also am Stall fertig und holte Willy nach Hause. Mein Ex- Freund wartete am Sulky. Er hielt Willy fest und ich spannte den Sulky an, beim Befestigen eines Riemens riss der auf einmal. Ich dachte mir, dass ich das einfach mit einer Strohstrippe „flicken“ kann. Nun ja wie Ihr euch sicher denken könnt war das mein Großer Fehler. Wir fuhren los, auf eine kleine Runde hatten wir uns geeinigt. Also fuhren wir wie so oft durch nächste Dorf was 1km entfernt war danach konnte man einen Feldweg hochfahren also eine ganz leichte Steigung. Wir fuhren noch ca. 2 km und drehten dann um. Der Feldweg führte an einem Waldstück vorbei. Kurz vor Ende des Waldstückes trabten wir noch einmal kurz an bis es dann wieder leicht bergab ging. Und dann passierte es. Oh mann ich bin gerade voll am zittern 🙁 Mein Pferd erschrak vor irgendwas im Wald und dann ging alles ganz schnell er ging durch, in dem Moment riss die Strohstrippe mein Ex sprang vom Sulky. Ich hatte noch probiert Willy zu bremsen aber der Strang vom Sulky wippte sich auf bohrte sich in den Boden dabei überschlug der Sulky sich. Ich war darunter begraben und kurzzeitig bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam sah ich Willy ca. 150m weiter an einem Baum liegen der Sulky lag ca. 7m entfernt auf der anderen Seite des Weges. Ich rannte hin und wollte ihn hoch ziehen. Willy stand dann auch auf aber was ich dort sah versetzte mich in die größte Panik meines Lebens. Sein rechtes Hinterbein war am Sprunggelenk durchgebrochen die Knochen guckten raus es war so schrecklich. Ich schrie meinen Ex an er sollte nach Hause laufen und Hilfe holen. Ich geriet immer mehr in Panik und schrie selber wie am Spieß nach Hilfe. Zum Glück war das nächste Dorf Luftlinie nur 300m entfern, man hörte meine schreie. Besitzer und Angestellte des anliegenden Reiterhofes kamen zur Hilfe. Dann war auch schon der Krankenwagen da den meine Mutter voller Sorge rief ich hatte eine riesen Beule an Arm und Kopf und meine Mama ließ mich nicht bei Willy es sollte abgeklärt werden was bei mir los war. Der Krankenwagen stand noch und die Sanitäter untersuchten mich noch. Zu der Zeit waren schon 2 Tierärzte da. Meine Mutter kam zum Krankenwagen und sagte mir, dass die Ärzte sagen, dass er operiert werden würde und dann wochenlang in der Box „angehängt“ sein müsste. Ich schrie und hatte Angst. Dann fuhr der Krankenwagen los. Stunden in der Notaufnahme vergingen, ich habe nur geweint mich so schlecht gefühlt und war tief traurig. Nach 3 Stunden holten mich Freunde meiner Eltern ab. Ich hatte großes Glück gehabt und nur Prellungen gehabt. Das Krankenhaus war 15km von zu Hause entfernt und die Fahrt dauerte ewig die Freunde sagten sie wussten nicht was jetzt war. Inzwischen war es dämmerig geworden, eigentlich wollten wir zum Feldweg fahren aber da war kein Licht mehr ein gutes Zeichen dachte ich. Wir fuhren also nach Hause dort war aber niemand, ich bin fast durchgedreht. Obwohl ich dadurch, dass ich meine Brille beim Unfall verloren hatte nicht wirklich was sehen konnte bin ich mit meinem Ex in mein Auto gestiegen und zur Unfallstelle gefahren. Auf dem Weg kam uns eine Frau mit einer Kerze in der Hand entgegen. Ich ahnte schreckliches. Nun war ich angekommen und sah das er da lag- oh mein Gott ich bin zusammengebrochen habe geweint und geschrien. Dann bin ich zu Ihm gelaufen, er war noch warm aber er war tot.  Meine Welt ist zusammengebrochen ich lag da bei ihm und konnte es nicht glauben mein geliebter Freund. Ich schrie meine Eltern an warum sie ihn getötet haben- heute weiß ich es waren nicht sie ich war es! Ich bin Schuld an seinem Tod. Und ja jetzt nach 10 Jahren muss und will ich dazu stehen.Die Tierärzte gaben Willy nach längeren Untersuchungen und Gesprächen keine Chance, zumal die nächste Klinik 80km entfernt gewesen wäre. In dieser Nacht saßen wir noch ein paar Stunden bei Ihm, meine Freundin war noch gekommen um mich zu trösten. Was da noch passierte ließ uns alle den Atem anhalten, als wir da so saßen und aufs Feld starrten kam ca. 200m entfernt ein weicher Schatten aus Richtung Wald galoppiert, der sich nach langen Metern in Luft auflöste. Das war mein einziger Trost an diesem Abend mein Pferd konnte nun ohne Schmerzen in den Himmel galoppieren.
Mein Leben veränderte sich nach dem Unfall stark ich, war nur noch traurig, lustlos, weinte Monate ja gar Jahre abends im Bett. 2 Wochen nach dem Unfall trennte ich mich von meinem Ex weil er meine Trauer um ein Tier nicht verstehen konnte.

Den Fehler des Unfalls schob ich aufs Pferd, ich sagte er erschrak vor einem Reh ging dann durch und irgendwas löste sich. Niemand wusste das der Riemen schon vorher kaputt war und ich ihn durch eine Strohstrippe ersetzte.

Dieser Fehler, war der größte Fehler meines Lebens ich habe gelernt das man seinen Willen, sein Tun seine Bedürfnisse und Begierde nicht um jeden Preis durchsetzen sollte. Wenn was nicht geht es nicht es sollte nicht zwanghaft ausgeführt werden.
Ich habe mir 4 Jahre später wieder ein Pferd gekauft was mich glücklicher machte trotzdem denke ich noch oft an den Unfall, an meine Schuld und an mein schlechtes Gewissen.
Der Spruch „aus Fehlern lernt man“ ist bei mir so zutreffend. Ich habe daraus gelernt und leider mit dem Leben meines Freundes bezahlt. Ich werde ihn nie vergessen und immer in meinem Herzen haben.

Jetzt nach dem schreiben bin ich erleichtert das ich es getan habe, habe aber auch etwas Angst vor den Reaktionen.

Ich nehme gerne eure Gedanken dazu an solange sie trotzdem freundlich bleiben.




4 Comments

  • Reply Mia Bruckmann

    Ach je, du Liebe! Ich glaube, es war die Entscheidung einer höheren Macht, dass alles so kam. Ich habe auch schon Tiere tragisch verloren und weiß um den Schmerz, der damit einhergeht. So doof es sich anhören mag, lass die Vergangenheit los! Es bringt dich nicht weiter. Und wer weiß, vielleicht wirst du an einem anderen Tag irgendwann Leben retten. Dein bester Freund möchte garantiert nicht, dass du dich innerlich zerfleischst. Schließe das Kapitel ab und schau nach vorne, denn auch du darfst wieder glücklich sein! LG, Mia

    24. Februar 2017 at 15:40
  • Reply Sunny

    Ich weiß nicht, wie alt Du damals warst. Ich vermute, dass Du das einfach noch nicht abschätzen konntest. Erfahrung ist einfach immer wichtig. Dummerweise hört man selten auf die Leute, die ihre schon gemacht haben. Und manchmal sind die selbst gemachten grausam. Egal ob Tier oder Mensch. Den Tod eines Lebewesens durch Unachtsamkeit ist immer schmerzlich. Ihr beide hättet aber ebenfalls tot sein können. Oder Dein Freund. Das wäre noch viel schlimmer. Keiner wird Dir Deine Schuldgefühle nehmen können. Aber Du kannst Dich vielleicht mit ihnen einigen und sie zum Schweigen bringen.
    Katholiken können zur Beichte gehen. Und manchmal hilft es und die Buße tilgt die Schuldgefühle.
    Vielleicht hilfst Du, im Krankenhaus bei Unfallopfern. Im Tierheim. Als Deine persönliche Buße.
    Schlaf gut
    Sunny

    20. Februar 2017 at 22:58
  • Reply Annette

    Mir kommen die Tränen! Es muß der Horror für dich gewesen sein, besonders, weil es durch eine „so kleine“ Bequemlichkeit passiert ist.
    Ich kann dich so gut verstehen, denn ich hatte auch einen besten Hafi Freund. Er musste wegen einer Kolik eingeschläfert werden. Und die ganze Nacht habe ich versucht ihn bei – 20 Grad irgendwie in Bewegung zu halten , bis der Arzt dann irgendwann morgens um 6 Uhr kam. das schlimmste für mich war, dass ich mein Pferd immer wieder treten musste, damit es aufstand und weiterlaufen konnte. Der, der mich seine ganzes Leben lang durch die Wälder getragen hat, ihn musste ich in den schwersten Stunden seines Lebens mit Füßen treten. Es tat mir selbst so weh, aber ich wollte, dass er am Leben bleibt, und konnte nichts anders tun.
    Danach habe ich mein anders Pferd verkauft, und ich selbst will nie wieder ein neus Pferd, weil ich sowas nicht nochmal erleben möchte.
    Aber dein Schatten, dem du gesehen hast, das Erlebnis hatte ich auch… oben auf der Weide sah ich ihn noch einmal kraftvoll entlang galoppieren. Und jetzt sitz ich hier und heule wieder …
    Seinen besten Hafi Freund wird man nie mehr im Leben vergessen!
    LG Annette

    31. Juli 2016 at 8:11
  • Reply Wiebke

    Ich kann das so nachfühlen. Es tut mir sooo leid. Fühl dich gedrückt. Wir hatten genau vor einer Woche auch einen Todesfall. Unsere Pferde sind ausgebüxt. Wir haben sie schnell wieder gehabt , aber einer ist auf der Straße ausgerutscht und brach sich das Bein unterhalb der Schulter.
    Zwei Tage war an Schlaf nicht zu denken. Nun geht es wieder , aber ich wache immer noch auf und sehe die Pferde vor meinem Auto die Straße entlang galoppieren.
    Mach dir keine Vorwürfe. Menschen machen Fehler …..auch wenn man es eigentlich besser weiß. Ich hoffe du findest nach deiner „Beichte“ nun Ruhe !

    1. Juli 2016 at 16:26
  • Ich freue mich über dein Feedback zu meinem Bericht

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